Archive for September, 2011

“Wär isch wär” im Weidenpark: Angela von Weidel(Rutenverzeichnis Nr. 3117)

Friday, September 23rd, 2011

Wie angekündigt, will ich euch nach und nach ein paar von meinen wichtigsten Mitbewohnerinnen und Mitbewohner vorstellen. Der Weidenpark ist vergleichbar mit einem grossen Dorf. Das heisst, man kennt die meisten vom Sehen, weiss von vielen den Namen, von etlichen, was sie so machen, von einigen, was sie denken, von einer Handvoll, was sie träumen und vielleicht von einzelnen, ein paar Geheimnisse …

Beginnen möchte ich mit meiner besten Freundin Angela. Wir sind zusammen aufgewachsen, Kopf- an Kopfweide. Sie heisst eigentlich Angela von Weidel(Rutenverzeichnis Nr.3117), doch wir nennen sie nur “La Wida”. Für alle Nicht-Altphilologen, “Wida” ist althochdeutsch und bedeutet:” Die Biegsame”. Von “Wida” zu “Weiden” dauerte es dann noch ein paar Jährchen…

Natürlich sind wir alle von Haus aus biegsam, doch im Vergleich mit ihr sind wir Normal-Biegsamen recht  limitiert. Angela ist ein Naturtalent, aber Begabung allein machte sie noch lange nicht zu “La Wida”. Schon ganz früh interessierte sie sich für “Ru-Do”, was übersetzt etwa ” Weg der Rute” bedeutet.  Oder anders gesagt, “Ru-Do” ist eine Mischung aus Kontorsion, Yoga, Wind-Tuning und Schnee-Heben. Und ehrlich gesagt, fallen mir manchmal allein vom Zuschauen ein paar Blätter ab. So zum Beispiel letzten Winter. Es schneite in kurzer Zeit etwa 20 cm plütterschweren Nassschnee. Ich versuchte, wie die meisten anderen Ruten, so schnell wie möglich den schweren, klebrigen Ballast loszuwerden. Ich schüttelte mich, ich wand mich, ich zitterte und schlotterte, wackelte und vibrierte… und vor Anstrengung wurde mir so warm, dass sogar ein Teil des Schnees zu schmelzen anfing. Ich war völlig ausgepumpt und schaute kurz zu Angela hinüber – sie steht nämlich vis à vis von mir im Irrgarten – und staunend vergass ich für einen Augenblick meine ganzen Anstrengungen. Seelenruhig liess sie sich vom pflotschnassen Schnee biegen. Ihre Rutenspitze näherte sich schon beinahe dem Boden. Doch sie liess es einfach geschehen und dehnte sich in einem anmutigen Bogen immer weiter, und als sich der Schnee auf der Rutenspitze mit dem Schnee am Boden verbunden hatte, zwinkerte sie mir völlig entspannt zu…und liess einen fahren. C’ est la wida.

Arbeitsprojekt der Mittelschule Guggisberg im Weidenpark

Wednesday, September 21st, 2011

Hallo Leute
Da bin ich endlich wieder. Vielleicht erinnert ihr euch noch an mich – Weidenrute Nr. 3371, mit bürgerlichem Namen, Lisa Zur Weide. Es hat mich einiges an Überredungskunst gekostet, den Chef, Nr. 5001, dazu zu bringen, mich auch wieder einmal etwas schreiben zulassen. Schlussendlich brauchte es noch eine kleine Erpressung bis er darauf eingestiegen ist. „Chef“, habe ich zu ihm gesagt, „ wenn du mich diesen Artikel nicht schreiben lässt, dann bin ich dann mal weg(frei nach Kerkeling)… dann werde ich eine Pilgerreise nach Salitiago di Salixela machen. und glaube mir, ich werde nicht alleine gehen. Hunderte werden mich begleiten und es ist überhaupt nicht gesagt, dass wir zur Eröffnung des Parks wieder zurück sind.“ Das gab ihm dann arg zu denken. Er ist ja eigentlich ein lieber Kerl, aber punkto Flexibilität, Innovation und Dynamik darf er sich ruhig noch steigern. Schon seit Monaten versuche ich ihn davon zu überzeugen, dass der Weidenpark einen Blog und somit eine Bloggerin(nämlich mich) braucht. „Chef, sagte ich zu ihm, „die ganze Welt ist am bloggen. Vom Cap der Guten Weiden bis nach Weidliwydstock sind alle wie wild am bloggen. Wenn du heutzutage dabei sein willst, dann musst du bloggen, die Zeiten mit „BriefeschreibenaufdiePostbringenwartenausdemBriefkastennehmenundlesen…“ sind längst passé, das machen nur noch frühpensionierte Schöngeister…“ Es würde an dieser Stelle zu weit führen näher auf unsere immer noch laufende Diskussion einzugehen, aber ich werde beharrlich dranbleiben. Wie die Rehböcke an uns Ruten „fägen“, werde ich ihn solange bearbeiten, bis seine (Hirn-) Rinde weich und mürbe ist, und er mir einen Blog einrichtet. Nebenbei wird er dann eventuell kapieren, wie schmerzhaft und stressig es ist, Nacht für Nacht diesen Bestien ausgesetzt zu sein. immer mit der leisen Hoffnung, dass man entweder zu dick oder zu dünn bist und deshalb verschont wird. Doch das ist eine andere Geschichte… eigentlich wollte und sollte ich ja über etwas ganz Anderes schreiben. Wenn ich aber demnächst, (ich schätze, dass ich 5001 in etwa zwei Monaten so weit habe) meinen Blog „erranget“ habe, könnt ihr meine Geschichten auf der Homepage(www.weidenpark.ch) nachlesen.
Aber jetzt zum Thema.
Wegen der anhaltenden Trockenheit in diesem Frühling, fiel das Stecken von neuen Weidenruten buchstäblich ins nicht geregnete Wasser. 5001 kam schon ziemlich ins Grübeln, denn die neuen Ruten waren schon geschnitten und warteten sehnsüchtig darauf in den Boden zu kommen. Da aber Regen machen nicht zu seinen Kernkompetenzen gehört, kam ihm für das Arbeitsprojekt der Mittelschule Guggisberg etwas anders in den Sinn, nämlich in den beiden Pavillons den Boden zu planieren und sie stuhl- und tischtauglich zu machen.
Und so warteten am Morgen des 10. Mai 13 Kubikmeter Schwefelbergkies und gut 5 Tonnen Bollersteine auf die 15 Schüler und Schülerinnen und 2 Lehrkräfte der Mittelschule Guggisberg. Nr. 5001 hatte alles vorbereitet und so konnten sie sofort loslegen.
Dass die gute, alte Schaufel für die Kinder und Lehrkräfte, trotz Computer und anderen Hightecherrungenschaften, immer noch ein vertrautes Arbeitsgerät ist, konnte man gut beobachten. So ging es flott voran und nach einer guten Stunde war der Kies verteilt und geharkt.
Nach der wohlverdienten Znünipause kamen dann die Bollersteine an die Reihe. Die Kinder schleppten Stein um Stein in die beiden Pavillons und setzten sie so, dass gegen Mittag ein hübscher Ring aus Steinen die Böden der beiden Pavillons begrenzte. Alle waren ziemlich gezeichnet und paniert vom Kies und vom Staub der Steine. 5001 war sehr zufrieden mit dem Resultat und gab ihnen eine glatte 6. Aber auch noch andere Anwesende waren begeistert, nämlich die Pavillonweiden. Wahrscheinlich hat es ausser mir niemand gemerkt, aber wie die sich plötzlich in die Ruten warfen und mit ihrer gelben Rinde um die Wette glänzten, hat mich schon ein wenig geärgert. Die müssen nämlich jetzt nicht meinen, sie seien etwas Besseres als Unsereins, denn genau wie wir Grünen haben sie vorläufig einfach ihren Job zu machen, nämlich zu wachsen. Wer schlussendlich im Rampenlicht steht, mit oder ohne Kiesplatz, werden wir dann sehen. Ja, ja ich gebe es ja zu – es „mönschelet“ auch unter uns Weiden…
Auf bald, eure Lisa zur Weide

Wenn die Tage kürzer werden…

Wednesday, September 7th, 2011

… werde ich immer ein wenig sentimental. Am Nachmittag hatte ich noch im Sinn, euch ein paar von meinen Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen vorzustellen. Doch jetzt ist mir plötzlich ganz anders zu Mute. Ich mag diese Zeit des Übergangs sehr. Wandel und Veränderung werden besonders spür- und hörbar. Einfach mal Augen zu und still sein und hinhören… wie die Grillen ihre Rhythmen in die Nacht hineinverweben. In dieser akustischen Hängematte lässt es sich wunderbar abhängen. Und wenn dann noch der Südwestwind einsetzt und die Hängematte sanft hin- und herschaukelt –  braucht es schon das trotzige Surren eines alten Subarus um mich wieder auf den Boden zu bringen…

Gute Nacht

Eure Lisa

P.S. Meine Weidenparkmitbewohner werde ich euch ein anderes Mal vorstellen.

Blog ‘n’ Roll im Weidenpark

Monday, September 5th, 2011

Hallo Leute…

… da bin ich!

Es hat also endlich geklappt und der Chef  hat mir, wie versprochen, meinen Blog eingerichtet. Ich bin so froh, dass er Wort gehalten hat. Es hat mich einiges an Geduld und Überzeugungskraft gekostet. Schlussendlich hat er aber selber eingesehen, dass dieser Blog nicht nur den leidenschaftlichen Schreibdrang einer einzelnen Weidenrute zu befriedigen vermag, sondern auch für den Weidenpark als Ganzes ein Gewinn sein könnte. Aus Angst ich könnte mich ab und zu politisch unkorrekt ausdrücken, stellte er aber eine Bedingung. Alle Artikel landen auf seinem Laptop, bevor sie publiziert werden. “Lisa”, sagte ich zu mir, “lieber eine Rute in der Hand, als ein Baum auf dem Fuss”, oder so ähnlich und gab zähneknirschend mein Okay zur Zensur. Wir werden sehen… ein Blatt vor den den Mund zu nehmen, ist ja für eine Weidenrute eine ziemlich abartige Vorstellung. Doch wie dem auch sei, in erster Linie möchte ich euch das Leben im Weidenpark aus der Sicht von uns Weidenruten näher bringen. Mit “the world” in der Blogüberschrift ist also in erster Linie der Weidenpark gemeint. Hier findet mein Alltag statt, hier verbringe ich meine Ferien, hier sind meine Freunde und meine Feinde, hier wachse ich, hier lasse ich meine welken Blätter fallen(schon bald ist es wieder so weit), hier schlafe ich, hier träume ich – und hier schaue ich in den Nachthimmel und sehe die Satelliten vorbeiziehen und dann spüre ich tief in mir diese Sehnsucht, mich irgendwie mit der ganzen Welt zu verbinden… und ich muss zugeben, die Tatsache, hier in diesem Park fest verwurzelt zu sein und mich gleichzeitig mit euch im All “herumzuwälzen” ist schlicht berauschend… also denn: “let’s blog ‘n’ roll…”

 

 

 


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