“Wär isch wär” im Weidenpark: Angela von Weidel(Rutenverzeichnis Nr. 3117)

Wie angekündigt, will ich euch nach und nach ein paar von meinen wichtigsten Mitbewohnerinnen und Mitbewohner vorstellen. Der Weidenpark ist vergleichbar mit einem grossen Dorf. Das heisst, man kennt die meisten vom Sehen, weiss von vielen den Namen, von etlichen, was sie so machen, von einigen, was sie denken, von einer Handvoll, was sie träumen und vielleicht von einzelnen, ein paar Geheimnisse …

Beginnen möchte ich mit meiner besten Freundin Angela. Wir sind zusammen aufgewachsen, Kopf- an Kopfweide. Sie heisst eigentlich Angela von Weidel(Rutenverzeichnis Nr.3117), doch wir nennen sie nur “La Wida”. Für alle Nicht-Altphilologen, “Wida” ist althochdeutsch und bedeutet:” Die Biegsame”. Von “Wida” zu “Weiden” dauerte es dann noch ein paar Jährchen…

Natürlich sind wir alle von Haus aus biegsam, doch im Vergleich mit ihr sind wir Normal-Biegsamen recht  limitiert. Angela ist ein Naturtalent, aber Begabung allein machte sie noch lange nicht zu “La Wida”. Schon ganz früh interessierte sie sich für “Ru-Do”, was übersetzt etwa ” Weg der Rute” bedeutet.  Oder anders gesagt, “Ru-Do” ist eine Mischung aus Kontorsion, Yoga, Wind-Tuning und Schnee-Heben. Und ehrlich gesagt, fallen mir manchmal allein vom Zuschauen ein paar Blätter ab. So zum Beispiel letzten Winter. Es schneite in kurzer Zeit etwa 20 cm plütterschweren Nassschnee. Ich versuchte, wie die meisten anderen Ruten, so schnell wie möglich den schweren, klebrigen Ballast loszuwerden. Ich schüttelte mich, ich wand mich, ich zitterte und schlotterte, wackelte und vibrierte… und vor Anstrengung wurde mir so warm, dass sogar ein Teil des Schnees zu schmelzen anfing. Ich war völlig ausgepumpt und schaute kurz zu Angela hinüber – sie steht nämlich vis à vis von mir im Irrgarten – und staunend vergass ich für einen Augenblick meine ganzen Anstrengungen. Seelenruhig liess sie sich vom pflotschnassen Schnee biegen. Ihre Rutenspitze näherte sich schon beinahe dem Boden. Doch sie liess es einfach geschehen und dehnte sich in einem anmutigen Bogen immer weiter, und als sich der Schnee auf der Rutenspitze mit dem Schnee am Boden verbunden hatte, zwinkerte sie mir völlig entspannt zu…und liess einen fahren. C’ est la wida.

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